Mord im Orient-Express

MordImOrientExpress_Poster_CampB_SundL_700Vor fast 100 Jahren löste Hercule Poirot seinen ersten Fall in Agatha Christies Roman „The Mysterious Affairs at Styles“. Herr Poirot, ehemaliger Polizist aus Belgien, floh auf Grund des ersten Weltkriegs nach England, um dort dann später als Detektiv tätig zu werden.  In über 30 Romanen und Kurzgeschichtensammlungen spielt Hercule Poirot die Hauptrolle und zeigt uns, was seine „kleinen, grauen Zellen“ zu leisten im Stande sind.

„Mord im Orient-Express“ ist eine dieser Geschichten. Von Jerusalem ausgehend geht es für den Belgier nach Istanbul, um von dort mit dem titelgebenden Zug bis nach Calais in Frankreich zu fahren und weiter nach London. Durch Schneeverwehungen in den Bergen ist der Zug gezwungen zu halten, so dass niemand aus- oder dazusteigen kann. Und just zu dieser Zeit wird der amerikanische Geschäftsreisende, Samuel Ratchett mit 12 Messerstichen ermordet. Der vollbesetzte Zug wird nun zur Bühne für Herrn Poirot, der die Mitreisenden und Angestellten befragt, und durch geschicktes Kombinieren schließlich dazu in der Lage ist den Fall zu lösen.

DF-00620_RV2_700Regie und Hauptrolle werden von Kenneth Branagh besetzt. Hercule Poirot ist in fast jeder Szene zu sehen, oder stößt nach einigen Sekunden dazu. Auf wem das Hauptaugenmerk liegt sollte klar sein. Dadurch weiß der Zuschauer allerdings auch nur das, was auch Herr Poirot weiß, und kann so, sofern die Handlung nicht bekannt ist, tatsächlich bis kurz vor Schluß miträtseln. Toll!

Die übrigen Charaktere werden so zu einer großen Riege top-besetzter Nebendarsteller. Johnny Depp spielt den amerikanischen Geschäftsmann Samuel Ratchett, Michelle Pfeiffer die Witwe Carolin Hubbard. Judi Dench spielt die russische Adlige Natalia Dragomiroff. Weiterhin zu sehen sind Derek Jacobi, Willem Dafoe, Josh Gad und Penelope Cruz, sowie Daisy Ridley und Lucy Boynton. Sie alle sind Passagiere an Board des Zuges.

Der Film lässt sich zu Anfang Zeit, stellt zunächst Herr Poirot vor, der dann auf dem Weg zum Zug schon die ersten anderen Passagiere trifft. Im Zug selbst werden dann ebenfalls noch ein paar der Passagiere vorgestellt. Es gibt ein paar schöne Bilder von der Zugfahrt, um das Szenario zu verdeutlichen und dann die Katastrophe in Form einer Lawine, die den Zug zum Stehen bringt, sowie der Mord. Zu diesem Zeitpunkt sind, schätze ich, schon knapp 30 Minuten des Films vergangen. Obwohl man sich, vergleichsweise viel Zeit gelassen hat, hat man nicht das Gefühl schon jeden Charakter zu kennen. Es bleibt viel Freiraum für eigene Vermutungen.

 

DF-02573_r2_700Anschließend beginnen die Ermittlungen, hauptsächlich in Form von Dialogen. Zuschauer, die stetig Action brauchen, werden mit diesem Film, denke ich, nicht glücklich werden. Dadurch, dass nahezu alles im Zug spielt, gibt es seitens der Kulissen nicht viel Abwechslung: Zugabteil, Speisewagen und Lounge des Zuges. Irgendwann geht es dann doch nach draußen, was meiner Meinung nach jedoch leider ein Fehler ist. Dadurch wird Stimmung und Szenario irgendwie entspannt. Keiner kann rein, keiner raus ist dann nicht mehr.

Wer die Geschichte noch nicht kennt, wird am Ende hoffentlich genauso überrascht sein, wie es die Leser schon vor über 80 Jahren waren. Dahingehend hat sich, denke ich nichts verändert. Die Handlung ist gut, Kenneth Brenagh als Poirot eine tolle Figur und bei dem restlichen Cast braucht man sich auch keinen Kopf machen.

Von mir bekommt der Film auf jeden Fall eine Empfehlung, auch wenn es ein paar kleine Kritikpunkte gibt. Meiner Meinung nach hätte die Einleitung kürzer ausfallen, und stattdessen die Zeit lieber noch in tiefer gehende Befragungen gesteckt werden können. Das Detail, dass zur Lösung führt beruht im Grunde auf Hintergrundwissen Poirots, welches der Zuseher nicht hat. Da hätte man noch anders hinführen können. Das kommt etwas plötzlich. Mit längerer Befragung wäre auch mehr Screentime für die „Nebendarsteller“ drin gewesen, die doch ein wenig kurz kommen. Ich bin dennoch gespannt, ob wir Herrn Poirot und seine kleinen, grauen Zellen bald erneut auf der Kinoleinwand begrüßen dürfen. Zu wünschen wäre es.FIN01_MOX_EW_Cover_700

Gruß Rocko Flanell

 

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